Geschichte des Weißen Schäferhundes

Wie alles begann

Schon zur Zeit der Römer verwendeten die Schäfer weiße Hunde, um ihre Herden beschützen zu lassen. Man verwendete Hunde mit weißem Fellkleid, da sie in der Dämmerung besser von angreifenden Wölfen zu unterscheiden waren. Diese Hunde waren jedoch viel größer als unsere heutigen Weißen Schäferhunde und waren sogar in der Lage, angreifende Wölfe oder Bären zu töten. Außer der Farbe hatten die damaligen Herdenschutzhunde nichts mit dem Weißen Schäferhundtyp von heute gemeinsam.

Der Weiße Schäferhund hat den gleichen Ursprung wie der Deutsche Schäferhund. Rittmeister Max von Stephanitz beobachtete während eines Manövers einen hütenden Schäfer mit seinem Hund. Er erkannte, dass der Schäfer einen zuverlässigen, witterungsbeständigen und belastbaren Hund benötigte.

Anlässlich einer Hundeausstellung wurden 1899 in Karlsruhe auch verschiedene Hirtenhunde ausgestellt. Hier gründete Max von Stephanitz am 22.04.1899 auch den "Verein für Deutsche Schäferhunde" (SV), um seine Vorstellungen von Aussehen und Wesen des Deutschen Schäferhundes zu verwirklichen. In seinen Augen war ein Hund namens Hektor von Linksrhein der perfekte Vertreter seiner Rasse und sollte ihm als Modell zur Schaffung der neuen Rasse dienen. Von Stephanitz war von diesem Hund so angetan, dass er ihn auf der Stelle von dem Frankfurter Züchter Sparwasser kaufte. Er nannte seinen Hund aber ab sofort Horand von Grafrath. Der Großvater von Horand war der Rüde Greif (geboren 1879) und dieser Hund war - weiß!
Horand von Grafrath führte später als Stammvater das Zuchtbuch dieses Vereines mit der Zuchtbuchnummer SZ1 an. Damit war der Grundstein für das Erscheinungsbild des heutigen Deutschen Schäferhundes gelegt.

Horand hinterließ zahlreiche Nachkommen, von denen viele seine weißen Gene bis in die heutige Zeit vererbt haben. Auch sein berühmter Sohn Champion Hektor von Schwaben kam aus einer beinahe gänzlich weißen Linie. 1913 wurde Beno von der Seewiese geboren, der als erster weißer Deutscher Schäferhund in das Zuchtbuch des SV eingetragen wurde.

Bald begannen in ganz Deutschland die Züchter nach Mendels Vererbungsregeln zu züchten und somit den Typ des Deutschen Schäferhundes immer mehr zu verfeinern. Der ideale Deutsche Schäferhund hatte für von Stephanitz Stehohren und ein relativ kurzes Haarkleid. Er sollte robust, gesund und intelligent sein sowie ein freundliches, lehrbegieriges Wesen besitzen. Die ersten Jahre der Reinzucht des Deutschen Schäferhundes wurden, laut führenden Kynologen durch etwas 30 Hunde entscheidend beeinflusst, wovon 18 regelmäßig für weiße Nachkommen sorgten. Daher ist auch unbestritten, dass die Farbe weiß zu Beginn immer wieder auftrat. In den alten Büchern findet man vielfach Abbildungen von "Weißen Deutschen Schäferhunden".

1933 wurde nicht nur politisch, sondern auch für die Weißen ein Schicksalsjahr. Bis heute ist nicht restlos geklärt, was Rittmeister von Stephanitz dazu bewog, zuzustimmen, die Farbe weiß aus dem Standard zu streichen und fortan nicht mehr zur Zucht zuzulassen. Zwar hat von Stephanitz nie einen Hehl daraus gemacht, dass er an einer einheitlichen Farbe, sei es schwarz oder weiß, keinen Gefallen finde. Doch seine züchterischen Leitmotive waren stets:

 

  • Kein guter Hund kann eine schlechte Farbe haben
  • Die Farbe hat keinen Einfluss auf die Gebrauchstüchtigkeit des Hundes
  • Gebrauchstüchtigkeit ist das einzige Kriterium für Schönheit

 

Trotzdem wurden die weißen Hunde 1933 endgültig von der Zucht ausgeschlossen.

 

Weiße Schäferhunde in den USA und in Kanada

Zum Glück ließen sich Züchter in Amerika und Kanada von diesem Verbot nicht beeindrucken und bewahrten diese wundervollen Hunde vor dem Aussterben. Mehr noch: Besonders durch die Rin-Tin-Tin-Filme wuchs die Popularität dieser edlen Hunde und schließlich wurden Meinungen laut, dass es sich hierbei um eine eigenständige Rasse handelt. Doch in den Vorständen der etablierten Vereine vertat man die Auffassung, dass es sich hierbei um Deutsche Schäferhunde handelt. Lediglich mit weißer Farbe.
Seit mehr als 60 Jahren züchten die Amerikaner und Kanadier nun Weiße Schäferhunde und haben damit durch Selektion die unverwechselbaren Rassenmerkmale geprägt. Aufgrund der Tatsache, dass die Amerikaner sowie die Kanadier mit ihrer Zucht die Rasse vor dem Aussterben bewahrt haben, sprach man lange Zeit in Europa vom "Amerikanisch-Kanadischen Schäferhund" oder "A.C. Schäferhund".
Paradoxerweise bezeichnen die Amerikaner und Kanadier diese Hunde bis heute als "Weißer Deutscher Schäferhund" (White German Shepherd). Die Vizepräsidentin des "White German Sehpherd Club of Canada" lehnte es rigoros ab, die White German Shepherds in "American-Canadian White Shepherds" umzutaufen. Ihrer Meinung nach handele es sich um Deutsche Schäferhunde, die lediglich die weiße Farbe aufweisen.

 

Zurück in Europa

Erst nach fast vierzig Jahren kamen die Weißen Schäferhunde auf den europäischen Kontinent zurück. 1970 wurde von Frau Agatha Burch der erste Weiße Schäferhund in die Schweiz gebracht. Sie brachte ihren 1966 geborenen Rüden „Lobo“ aus den USA mit. Dieser Rüde hatte eine AKC Abstammungsurkunde und wurde offiziell in das Schweizerische Hundestammbuch als Deutscher Schäferhund eingetragen. Ein Jahr später importierte die Schweizer Richterin Lisbeth Mach die weiße Hündin "White Lilac of Blinkbonny" aus Großbritannien, die aufgrund ihres englischen Export Stammbaums ebenfalls in das Schweizerische Hundestammbuch eingetragen wurde.

Aus dieser Verpaarung fiel unter dem Zwingernamen von Agatha Burch am 19.04.1973 der erste Wurf mit drei Rüden und einer Hündin. Danach blieb es lange Zeit still um die Weißen Schäferhunde in der Schweiz, da Frau Burch ihren Wohnsitz wieder in die USA verlegte. Eintragungen ins Anhangregister der SKG gab es nicht mehr, aber es wurde dennoch mit der Reinzucht begonnen.

 

Zurück in Deutschland

In seine ursprüngliche Heimat Deutschland kam der Weiße erst wieder im Jahre 1980. Mit dem Zuchtpaar Champion von Kron und Krons Rani von Finn begann Martin Faustmann die organisierte Reinzucht. Der deutsche Züchter aus Neuss am Rhein lernte den Schweizer Züchter Kurt Kron aus Ebikon/Luzern kennen, der im Besitz mehrer Weißer Schäferhunde war. Er kaufte den Rüden „Champion von Kron“, und ein Jahr später auch dessen USA Hündin „Rani von Finn“.
Er verpaarte die beiden und so fiel am 29. Dezember 1981 der erste Wurf Weißer Schäferhunde in Deutschland. Da eine Anerkennung als „Weiße Deutsche Schäferhunde“ völlig ausgeschlossen war, gab Martin Faustmann, der mit dem Zwingername „von Ronanke“ züchtete, der Rasse einen neuen Namen, in der Hoffnung, früher oder später eine FCI Anerkennung unter diesem Namen zu bekommen. Obwohl dieser Wunsch unerfüllt geblieben ist, so war durch Martin Faustmann doch der Startschuss für die organisierte Zucht von Weißen Schäferhunden in Europa gelegt.
1982 gründete Faustmann in Deutschland den ersten Interessenverband für Weiße Schäferhunde: Der "Weiße Schäferhunde-Verein Kaarst 1982 e.V." (WSV).

Eine Folge der Zucht und Verbreitung von „Amerikanisch-Kanadisch-Weißen Schäferhunden“ in Europa war die Tatsache, dass sich Züchter und Besitzer in diesen Ländern ebenfalls zu Vereinen zusammentaten, um die nicht anerkannte Zucht zu organisieren.
So entstand 1988 der WSÖ in Österreich, der ACBB in Frankreich und der WHVN in Holland. In der Schweiz gründete der Züchter Jürg Epprecht, der sich 1984 eine Hündin aus Holland und 1988 eine Hündin aus Kanada holte, im Jahre 1989 die „Gesellschaft Weisse Schäferhunde Schweiz - GWS“.
Über Initiative von Jürg Epprecht wurde die „GWS“ 1991 als Rasseklub in die SKG aufgenommen, worauf ein vorläufiger Standard ausgearbeitet werden konnte, der im Juni 1991 von der SKG genehmigt wurde.

 

Die Anerkennung durch die FCI

Nach langem Kampf ist es endlich so weit: Seit dem 1. November 2004 besitzen der Bundesverein für Weiße Schäferhunde (BVWS) sowie der Rassezuchtverein für Weiße Schweizer Schäferhunde (RWS) die offizielle Genehmigung vom Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH), Weiße Schäferhunde zu züchten. Der Beschluss erlaubt es den beiden Vereinen, diese Rasse eigenständig und innerhalb des VDH-Dachverbandes zu züchten. Über 30 Jahre hat es gedauert, bis die Weißen Schäferhunde nun endlich den ihnen gebührenden Platz in der Kynologie einnehmen können.

Der Entscheidung zur Zuchthoheit ging eine lange Geschichte um die Anerkennung der Rasse voran. Auf internationaler Ebene sind die Weißen Schäferhunde seit 2003 nach wie vor nur als "vorläufig anerkannte Hunderasse" bei der Fédération Cynologique International (FCI), der Weltorganisation der Kynologie, eingetragen.

Martin Faustmann ist es zu verdanken, dass die Weißen Schäferhunde in Deutschland wieder Einzug gehalten haben. Durch die Verpaarung der beiden Schweizer Hunde Champion von Kron und Krons Rani von Finn begann er mit der Reinzucht. Somit ist zu verstehen, dass der heute offizielle Name "Berger Blanc Suisse" aus der Schweiz stammt, auch wenn es korrekt auf Grund seiner Wurzeln eigentlich "Weißer Deutscher Schäferhund" heißen müsste.

Zwischenzeitlich wurden weitere Tiere aus der Schweiz und den USA nach Deutschland importiert, und es erfolgten erste Vereinsgründungen.
In der Schweiz sind die Weißen Schäferhunde bereits seit dem Jahre 1991 als eigene Rasse anerkannt. Sie war das erste Land in Europa, dass die Weißen Schäferhunde anerkannt hat.
Nach der Schweiz folgten die Niederlanden, die Tschechoslowakei, Österreich, Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland und Südafrika. Somit wurden es immer mehr FCI-Länder, die die Rasse national anerkannten. Man wünschte sich allerorts, eine internationale Anerkennung bei der FCI zu beantragen. Ein erbitterter Gegner der Rasseanerkennung war jedoch der Verein für Deutsche Schäferhunde (SV), der den „Weißen“ ja noch immer als eine Fehlmutation des Deutschen Schäferhundes betrachtete, und so eine Anerkennung über Jahre mit Erfolg zu verhindern wusste.
Die nationalen Anerkennungen in vielen europäischen Ländern haben letztendlich dazu geführt, dass auch seitens der FCI endlich grünes Licht gegeben wurde.

Die Schweizer reichten über die SKG im Herbst 2001 den Antrag auf vorläufige Anerkennung bei der FCI ein. Nun arbeiteten viele europäische Länder zusammen, um die Daten für Anerkennung zusammen zu tragen. Zunächst erfolgte eine Prüfungsphase und daraufhin einige Korrekturen. Im Dezember wurde endgültig abgestimmt und der Name wurde auf "Berger Blanc Suisse - Weißer Schweizer Schäferhund" geändert, um Verwechslungen mit anderen Rassen zu verhindern.
Seit dem 01.01.2003 wird der Weiße Schweizer Schäferhund mit der Standardnummer 247 vorläufig bei der FCI geführt.

Jedoch wurde der Rasse durch die Anerkennung ein Teil ihrer Geschichte genommen und ihre tatsächliche Abstammung verschleiert. Die Papiere der in Deutschland geborenen Hunde sind nun wertlos geworden. Auf Registrierveranstaltungen kann man seinen Hund nun vorstellen. Hierbei wird entschieden, ob der Hund dem Rassestandard entspricht oder nicht. Falls das der Fall ist, bekommt der Hund Registrierpapiere vom VDH und seine alten Papiere werden eingezogen. Mit den VDH-Papieren ist eine Teilnahme an VDH-Ausstellungen möglich. Für die Zucht gibt es allerdings noch Sonderregelungen.

 

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